Kameras an Alex und Görli: Wann die KI-Videoüberwachung in Berlin startet

Berlin. Im neuen Polizeigesetz wurde die KI-basierte Überwachung kriminalitätsbelasteter Orte erlaubt. Wann diese startet – und was sie kostet.

Von Dennis Meischen, Leitender Redakteur
02.03.2026, 11:30 Uhr

Ab April werden spezielle Kameras am Alexanderplatz in Mitte, an der Warschauer Brücke in Friedrichshain sowie am Kottbusser Tor und am Görlitzer Park in Kreuzberg installiert. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen. Damit startet die durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützte Überwachung dieser kriminalitätsbelasteten Orte (kbO) in einer Testphase. Möglich gemacht hat das die Änderung des Polizeigesetzes ASOG vergangenen Dezember. Nach der Testphase sollen die weiteren kbOs Rigaer Straße in Friedrichshain sowie Hermannstraße und Hermannplatz in Neukölln in der zweiten Jahreshälfte folgen.

Ziel ist die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit durch das Erkennen von gefahrenrelevanten Verhaltensmustern und das Ermöglichen einer schnelleren polizeilichen Reaktion. Sprich: Es sollen Gewaltvorfälle und Gefahrensituationen im öffentlichen Raum in nahezu Echtzeit erfasst werden, die ohne Videoschutz möglicherweise unentdeckt bleiben würden.

KI-basierte Videoüberwachung zur Bekämpfung der Kriminalität

„Wir begrüßen, dass CDU und SPD uns in Sachen intelligenter Videoüberwachung an kbOs zur effektiven Kriminalitätsbekämpfung zugehört und das ASOG entsprechend angepasst haben“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Es ist auch positiv zu erwähnen, dass man nicht unnötig Zeit verstreichen lässt und die Ausschreibung für entsprechende Technik bereits herausgegangen ist.“

KI-basierte Videoüberwachung kostet 3,9 Millionen Euro

Wie aus dieser Ausschreibung der Polizei Berlin hervorgeht, wird für die Überwachung aller kbOs mit einer Gesamtsumme von 3,9 Millionen Euro gerechnet. Das System soll KI-gestützte Videoanalyse, Videomanagement und Alarmierung umfassen. Die Ausschreibung richtet sich dabei an Unternehmen, die die Konzipierung, Beschaffung, Implementierung, Wartung, Schulung und Weiterentwicklung eines solchen Systems gewährleisten können. Wie es aus Sicherheitskreisen heißt, gibt es nur eine Handvoll Firmen, die das tatsächlich leisten können. Informationen unserer Redaktion zufolge ist die Wahl bereits getroffen

So funktionieren die KI-Kameras der Berliner Polizei

„Es ist zu hoffen, dass wir am Ende die beste und nicht günstigste Version auswählen“, kommentiert GdP-Sprecher Jendro. „Wir brauchen eine intelligente KI-Lösung, denn es geht nicht um eine dauerhafte Beobachtung durch Kollegen am Rechner, sondern darum, dass sich die Leitstelle bei bestimmten Verhaltensmustern und Gefahrensituationen draufschalten und schnellstmöglich Maßnahmen ergreifen kann.“ Da man nicht an allen kbOs gleichzeitig starten könne, seien Kotti, Görli und Warschauer Brücke gute Anfänge, findet der Gewerkschafter.
Doch wie genau funktioniert KI-unterstützte Überwachung? Angaben der Polizei zufolge bleibt der Bildschirm der Videokameras in der Leitstelle grundsätzlich schwarz, wodurch die hohen Ansprüche des Datenschutzes im öffentlichen Raum gewährleistet sein sollen. Erst bei auffälligem Verhalten würden die Kameras anspringen und die Polizeibeamten im Dienst informieren, die dann erforderliche Maßnahmen veranlassen können.

Menschliche Akteure haben immer das letzte Wort

„Somit wird sichergestellt, dass Personalressourcen der Polizei geschont und die durch KI erkannten Vorfälle immer abschließend durch menschliche Akteure bewertet werden“, betont ein Polizeisprecher. Es soll dennoch möglich sein, die Bilder der Kamera auch im Rückblick zu verwenden, beispielsweise wenn wegen einer Straftat vor Ort ermittelt wird.

Kritik an Dauerüberwachung in der Innenstadt

Wie genau auffälliges Verhalten von der Polizei definiert wird, ist unbekannt. Der Einsatz biometrischer Gesichtserkennung wird zwar ausgeschlossen. Dennoch gibt es Kritik aus der Opposition. „Die Videoüberwachungspläne des Senats sind Irrsinn“, sagt Vasili Franco, innenpolitischer Sprecher der Berliner Grünen. „Seit Jahren belegen Studien, dass Videoüberwachung bestenfalls Kriminalität verlagert, aber nicht wirksam bekämpft.“
Der Kern des Problems sei, dass die Maßnahmen des Wegner-Senats keine Ursachen adressierten, sondern Probleme in den Brennpunkten der Stadt nur von einer Straße in die nächste schieben, so Franco weiter. „Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird keine Einsatzkräfte ersetzen, sondern ist selbst fehleranfällig und kann zu einer Vielzahl von Fehleinsätzen führen“, kritisiert der Grünenpolitiker. „Es werden mehrere Millionen aus dem Sondervermögen in Videokameras gesteckt, während es bei der bestehenden Substanz quietscht und ruckelt.“
Im Hinblick auf die zusätzliche Verschärfung der Videoüberwachung an Amts- und Dienstgebäuden und auf öffentlichen Veranstaltungen sagte Berlins Datenschutzbeauftragte Meike Kamp im Interview mit unserer Redaktion: „Für Unbeteiligte wie etwa Touristen wird es nahezu unmöglich sein, unbeobachtet durch die Innenstadt zu spazieren.“

Berliner Polizei arbeitet an weiterer KI-Videotechnik

Tatsächlich arbeitet die Polizei derzeit an einer weiteren Ausschreibung für ein KI-Videosystem, wie unsere Redaktion erfuhr. Es soll perspektivisch an schützenswerten Objekten in Berlin angebracht werden, insbesondere an israelischen und jüdischen Einrichtungen und Institutionen. Seit der erneuten Eskalation des Nahostkonflikts seit dem 7. Oktober 2023 wird der Zentrale Objektschutz (ZOS) der Polizei dort durch Polizeibeamte unterstützt, um das bedrohte jüdische Leben in der Hauptstadt zu gewährleisten. Das frisst jedoch Ressourcen und macht Aufgabenstreichungen an anderer Stelle notwendig.
Ein intelligentes, KI-basiertes Videosystem an den Objekten, das die Leitstelle bei auffälligem Verhalten ähnlich wie an den kriminalitätsbelasteten Orten benachrichtigt, wird hier als mögliche Lösung betrachtet. Wann genau diese zusätzliche Videoüberwachung starten soll, ist aber noch nicht bekannt.

passiert am 02.03.2026