Sabotage gegen Rheinmetall – Niemals Kriegstüchtig!
In Kassel soll das größte Panzerwerk Europas gebaut werden. Wir stellen uns dagegen, zur Rüstungshauptstadt für die kommenden Kriege zu werden. Deshalb haben wir in der Nacht die Baustelle des Logistikzentrums von Rheinmetall in Kassel-Calden sabotiert und mehrere Bagger und Radlager angezündet.
Zeitenwende in Nordhessen
Wer in Nordhessen lebt, spürt was Zeitenwende heißt. Tag für Tag überschlagen sich die Nachrichten von Rüstungsinvestitionen. Fast kein Abend vergeht ohne Panzer in unseren Straßen zu sehen, die in die Kriegsgebiete der Welt exportiert werden. Kaum ein Kommunalpolitiker, mittelständisches Unternehmen oder Forschungsstandort der nicht hofft, etwas von den Milliarden der Zeitenwende abzubekommen.
Wir haben uns dafür entschieden, dabei nicht länger zuzuschauen und ein zentrales Projekt der Aufrüstungskampagne angegriffen: den Defence Hub Nordhessen von Rheinmetall.
Der Defence Hub Nordhessen umfasst den Ausbau des Panzerwerks in Kassel sowie den Bau eines Logistikzentrums auf 30.000 Quadratmetern und eines militärischen Drohnenzentrums am Kassel-Airport. Mit 260 Millionen Euro von Rheinmetall und über 20 Millionen Euro vom Land Hessen soll das Projekt bis Ende 2027 hochgezogen werden.
Für das Pressespektakel zum Auftakt verkündete Rheinmetall Chef Armin Papperger stolz: Kassel wird zukünftig das größte Panzerwerk Europas und „eine neue Drehscheibe“ der Rüstungsindustrie sein. Boris Rhein ergänzte: Der kriselnde Flughafen Kassel-Calden wird „künftig noch stärker als militärische Drehscheibe, für Trainingsflüge der Bundeswehr sowie zur Erforschung und Erprobung neuer Drohnen-Technologie“ dienen.
Während jeden Monat Millionen an Steuergeldern in einen leeren Flughafen versenkt werden, von dem nur die Privatjets von Superreichen starten, soll das Aufrüstungsprogramm nun die Rettung sein: Drohnen, Bundeswehrflüge und Logistik ersetzen die Passagiere und Urlaubsgäste, die partout nicht kommen wollen.
Mit Staatsgeldern in die Krise
Was in Kassel-Calden passiert, ist ein Sinnbild für die Zeitenwende in Deutschland: Der Staat tritt als Auftraggeber auf und versucht mit Milliarden an Rüstungsinvestitionen die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Deutschland tritt die Flucht nach vorne an. Wenn die Autoproduktion auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist, dann immerhin der Leopard-Panzer und vielleicht auch bald wieder das deutsche Heer.
In einer Zeit, die weltweit von imperialistischen Konflikten und Kriegen geprägt ist, will die Bundesrepublik ihre Krise durch militärische Aufrüstung lösen und zukünftig ohne die USA an der Spitze Europas stehen können. Was uns als notwendige Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit verkauft wird, ist die Option, die eigenen Interessen wie Zugang zu Ressourcen und Handelsrouten mit militärischen Mitteln außerhalb Deutschlands durchsetzen zu können. Der Bau von eigenen Langstreckenwaffen oder die Befugnisse der Geheimdienste zur Sabotage im Ausland sind offensive Fähigkeiten. Es ist die Möglichkeit, künftig weiter die Konfrontation mit dem russischen Regime um die Vormachtstellung in Osteuropa eingehen zu können.
Von der Drehscheibe …
Wir wissen aus allen Konflikten der Großmächte, dass am Ende die einfachen Menschen, die Frauen und die Jugendlichen am meisten unter den Folgen des Krieges leiden werden. Nicht Armin Papperger und Boris Rhein oder deren Kinder sollen im Schützengraben von der Drohne zerfetzt werden, sondern wir. Wenn wir den Kriegsvorbereitungen nicht international entgegen treten, haben wir bald keine Perspektive für unser Leben mehr.
Je mehr Geld in die Rüstungsprojekte fließt und je weiter der Umbau ziviler Wirtschaft zur Kriegsindustrie voranschreitet, desto größer wird auch hier die wechselseitige Abhängigkeit und die Verflechtung zwischen Rüstungskonzernen und den staatlichen Auftraggebern werden. Gleichzeitig gehen die Panzer, die am Ende von Rheinmetall und Co. durch Staatsgelder produziert werden, nicht wieder produktiv in den Wirtschaftskreislauf ein. Die Aufrüstung wird die Krise der letzten Jahre nicht lösen, sondern höchstens verschieben.
Wenn in ein paar Jahren die Hallen voll mit Panzern und Sprengköpfen sind, werden die Probleme der deutschen Schwerindustrie und der mittelständischen Zulieferer nicht gelöst sein. Für Kassel bedeutet das: Geht die staatliche Nachfrage nach Kriegswaffen in ein paar Jahren wieder zurück, wird auch die davon abhängige Industrie zusammenbrechen und zahlreiche Menschen ihre Arbeit verlieren. Wird das Kriegsgerät im Einsatz verbraucht, hält das zwar die Produktion am Laufen, macht Kassel aber auch in kommenden Kriegen erneut zur Zielscheibe. Während sich die Aktionäre und Vorstände von Rheinmetall, KNDS und Co. die Taschen voll machen, können wir bei dieser Kalkulation langfristig nur verlieren.
…zum Ort des Widerstands
Lasst uns Nordhessen von einer Drehscheibe der Aufrüstung zum Ort des Widerstand gegen den Kriegskurs der Eliten machen. Lasst uns gemeinsam dafür Kämpfen, dass Menschen nicht mehr vor der Entscheidung stehen, ihren Job zu verlieren oder zu Rheinmetall zu wechseln. Lasst uns dafür sorgen, dass Elbit Systems und Co. nicht in Ruhe produzieren können und aus Kassel nicht länger Krieg und Genozid in die Welt exportiert wird.
In Gedenken an den Kasseler Studierenden Yousef Shaban, der am 24. Oktober 2023 mit seinen Familienangehörigen durch die IDF in Gaza ermordet wurde.
In Verbundenheit mit den russischen Kriegsgegner:innen und Saboteuren, die heute entweder im Straflager sitzen oder vom Regime getötet wurden.
In Solidarität mit allen, die weltweit gegen den Imperialismus kämpfen und sich hier der Militarisierung ihres Lebens widersetzen.
Ob an der Universität, an die die Kassler Rüstungskonzerne drängen. Ob an den Schulen, wo gegen die Wehrpflicht gestreikt wird. Ob in den Betrieben bei Daimler und Alstom, wo jetzt für den Tod produziert werden soll. Ob in den Krankenhäusern, die zukünftig Platz für die Kriegsopfer der Front machen sollen.
Niemals Kriegstüchtig!
Nicht heute
Nicht 2029
Nie wieder
Agenda2029
passiert am 29.10.2026