In Solidarität mit Daniel Viehmann, Strom-Saboteur

DANKE DANIEL

Ein paar Wochen sind vergangen, seit Öko-Saboteur Daniel bundesweit Angriffe auf das Deutsche Stromnetz durchgeführt hat. Dafür hat er selbst gebaute Raketen über Hochspannungsleitungen geschossen, eine Methode, die er selbst erfunden hat. Bei einem der Angriffe in NRW gingen infolge 5 Kraftwerksblöcke (Braunkohle) für mehrerere Tage vom Netz. Es folgte viel Medienaufmerksamkeit und nach einer bundesweiten Fahndung, wurde Daniel festgenommen. Aktuell sitzt Daniel in U-Haft und es drohen ihm bis zu 10 Jahre Knast.

SEINE WORTE

Bis jetzt, haben wir wenig – oder gar keine – öffentliche Solidarität mit Daniel gesehen. Wir fragen uns was hinter dem Schweigen steckt. Für uns gibt es keinen Grund zur Stille oder gar zur Distanzierung. Mit diesem Text wollen wir dieses Schweigen brechen und zeigen das es viele Gründe gibt anzunehmen, dass Daniels Kampf gleichermaßen auch unser Kampf ist.
Die stärkste Begründung für unsere Solidarität steckt in Daniels eigenen Worten. Aus seinen Bekennerschreiben gelangen zuerst nur wenige Sätze an die Öffentlichkeit. Die veröffentlichte erste Seite gibt mehr Aufschluss über Daniels Motivationen. Hier veröffentlichen wir diese Seite (siehe Foto) und rufen dazu auf, wer Zugang zu den fehlenden Seiten seiner Bekennerschreiben hat: Gebt Daniels Worte an die Öffentlichkeit, so dass Daniel für sich selbst sprechen kann.
Was die Presse nicht berichtete, er aber selbst als Gründe für sein Handeln beschreibt: seine Aktionen wendeten sich nicht nur gegen eine fossile Stromerzeugung sondern auch gegen die deutsche Rüstungsindustrie und vor allem deren Teilhabe am Völkermord in Palästina.

EINE ADÄQUATE ANTWORT AUF DIE FOSSILE REALITÄT

„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das unsägliches Leid nach sich zieht.“

Das ist kein komplizierter Zusammenhang, nichts was nicht lange wissenschaftlich verstanden ist. Die fossile Energieerzeugung ist einer der Hauptverursacher des globalen Klimawandels – all das ist einfach zu verstehen. Genauso einfach ist es, dass um aus dem Kreislauf des Leids aus zusteigen, der Ursprung dessen zerstört werden muss. Genauso logisch ist aus unserer Sicht Daniels Reaktion.
Er hatte also gute Gründe zu tun, was getan werden muss(te). So muss auch die Klimabewegung die Tatsache anerkennen, dass CO2 Emissionen weiterhin Jahr für Jahr signifikant steigen. Nach vielen Jahren weitreichendem bürgerlichen Protest und des zivilen Ungehorsam wird klar, es ist keine realistische Lösung für das Problem. Es ist also eine logische Konsequenz für die Klimabewegung Akte der Sabotage im Kampf einzusetzen.

DIE BEWEGUNG SCHWEIGT

Viele Menschen (auch Gefährt*innen) behaupten Daniel wäre entweder verrückt oder sicherlich einer von Putins Agenten. Auch sei es unlogisch, dass er seinen Namen und Adresse veröffentlicht hat. Jede dieser Argumentation befreit uns von der Pflicht (oder Chance) seine Aktionen ernst zu nehmen. Ist es nicht das was Daniel versuchte umzusetzen genau eine heimliche Sehnsucht die in vielen von uns steckt?

UND DER STAAT WILL KRITISCHE INFRASTRUKTUR BESSER SCHÜTZEN

In Folge Daniels Aktionen stellt Staat und Presse die sogenannte kritische Infrastruktur als stark-gefährdet dar. Es werden Zählungen Sabotage-Verdachtsfällen veröffentlicht, neben Daniel ein Datenleak in Berlin, und russische Drohnenangriffe am Leipziger Flughafen. Auch soll im Zuge des im März in Kraft getretenen KRITIS Dachgesetz vermehrt KI-Überwachung der sogenannten kritischen Infrastrukur (kritsch für wen und für was?) umgesetzt werden.
Unabhängig davon wie gefährdet die sogenannte kritische Infrastruktur wirklich ist, drückt die dargestellte mediale Brisanz rund um Daniels Aktionen auch die Wirksamkeit derer aus. Gesteigerte Überwachung und Repression zeigt Un-Sicherheit & Schwachstellen des Staates. Und so denken wir, wenn die eine Aktion nicht dem Trugschluss verfällt über Forderungen an die Regierenden Zustände verändern zu wollen muss vermehrte Repression erwartet werden. Alles andere hätte keinen ausschlaggebenden Effekt auf den Status Quo. So erschreckend die Unsicherheit für manche auch klingen mag, so sehr glauben wir dass sie nötig ist um tatsächlich die Zerstörung dieser industriellen Zivilisation zu stoppen.

WAS WÄRE ALSO WENN DANIELS AKTION ZÄHLT?

Wichtiger als die ‚Macht‘ die man tatsächlich hat, ist die Macht die unsere Gegner glauben das wir sie haben. Wenn also der deutsche Staat von Unsicherheit seiner kritischen Infrastruktur spricht nachdem Daniel getan hat was er tun musste, so denken wir ist er einen richtigen und wichtigen Schritt gegangen, der uns Mut gibt für alle weiteren Schritte.
Es werden weitere Schritte zu gehen sein, bis erkannt wird, der einzige Weg kritische Infrastruktur zu schützen ist, Infrastrukturen zu etablieren die nicht auf Ausbeutung und Zerstörung der Biosphäre basieren – so gäbe es keinen Grund zu Sabotage.

Wir sind dankbar für Daniels Mut und alles Leid, dass er hin nimmt bei der Repression die ihm jetzt droht. Wir stehen Solidarisch hinter Daniel, zünden ihm Kerzen, ein Licht aus der Ferne.
Er schreibt, er hat es allein getan, ohne fremde Hilfe, niemandem davon erzählt. Doch da draußen ist er nicht allein, wir sind viele die an anderer Stelle (mit ihm) gegen dasselbe Leid kämpfen. Und uns geben Daniels Taten Mut nicht aufzugeben.

P.S.: Eins wollen wir unbedingt klar stellen, dies ist kein Versuch für Daniel zu sprechen. Wir wissen nicht ob Daniel unserem Statement zustimmt oder nicht. Wir sprechen für uns selbst und zu euch, ihr die ihr auch gegen den Klimawandel, die Militarisierung und den Autoritarismus im Allgemeinen kämpft. Wir beführworten alle Bemühungen Kontakt mit Daniel herzustellen und damit ihm eine Kommunikation zur Außen-Welt zu ermöglichen – falls Daniel dies auch in Daniels Interesse ist.

Solidarität mit Daniel, Solidarität mit allen Öko-Saboteur*innen!

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