Val di Susa¹ – NoTaV – Was ist passiert?!
Das es in Deutschland kaum eine Berichterstattung gab, hier eine kleine Zusammenfassung der Geschehnisse.
Das alljährliche Festival Alta Felicità in Venaus – Val di Susa in Italien fand wie jedes Jahr mit zehntausenden feiernden Sympathisant:innen der NoTav Bewegung statt.
Wie jedes Jahr war am Samstag den 25.07 eine Demonstration angedacht.
Wie jedes Jahr war auch mit kleineren Auseinandersetzungen mit den Cops zu rechnen.
Nur dieses Jahr war nicht wie jedes Jahr.
In Italien finden seit Jahren krasse Repressionen statt. Gegen viel Gefährt:innen, denen Haftstrafen bevorstehen oder bereits in Haft sind, Verschärfung der Gesetzeslage gegenüber einer radikalen linken und Rave Szene, etliche Räumungen von seit lang bestehenden autonomen/sozialen Zentren u.a. der Räumung von Askatasuna am 18.12.2025 in Turin, ein seit 1996 besetztes autonomes- soziales Zentrum.
Am Tag der Räumung und den Folgetagen sind mehr als 5000 Menschen in Solidarität mit dem Projekt auf die Straße gegangen und haben sich die Straße genommen und verheißungsvolle Auseinandersetzungen mit den Cops gegeben.
Am 31.01.2026 waren, laut Medienberichten, bei einer bundesweiten Demonstration in Turin, 50000 Menschen, die aus verschiedenen Bewegungen zusammengekommen sind ( Gewerkschaften, Anarchist:innen, NoTaV, Gruppen die sich für Wohnrecht einsetzen, Student:innenkollektive uv.m.) um ihr Solidarität zu zeigen.
Der Polizeimord an Abderrahim Fakir am 19.07.2026 brachte tausende Menschen auf die Straße, die ihrer Wut freien Lauf ließen.
Diese hat sich bis zum Alta Felicità weitergetragen und wenige haben damit gerechnet, dass das passieren wird, was seit über einem Jahrzehnt nicht mehr in dem Tal passiert ist.
Laut Medienberichten wurden im Vorfeld bei 14 Gefährt:innen eine Gefährder:innenansprache mit Anreise- und Ortsverboten ausgesprochen.
Am Nachmittag den 25.07.2026 sollte es für wenige, wie jedes Jahr, eine „friedliche“ Demonstration sein.
Für tausende sollte es eine kraftvolle, bestärkende, mit viel Wut im Bauch stattfindende Demonstration werden.
Die Demo mit einem im Verlauf großen schwarzen Block ( trotz unerträglicher Hitze) splitteten sich in „kleinere“ Demozüge aus teils hunderten von Menschen bestehend, umgeben von Bergen und auf kleinen Wegen, in 2 Richtungen auf.
Einmal Richtung Westen nach Salbertrand und Chiomonte zur „Maddalena“² einer der Hauptkonstruktionsstätte der Turin-Lyon Hochgeschwindigkeitsstrecke und nach Osten nach San Didero und Traduerivi.
V.a. in Chiomonte haben sich einig hundert Gefährt:innen Zugang verschafft – die Zäune eingerissen, Container, Bullenwägen, Baumaschinen und alles was brennen kann und zu zerstören geht fing an zu lodern/wurde zerstört.
Cops versuchten Gruppen an verschiedenen Stellen im Tal, durch Straßenblockaden an einem weiteren Vordringen zu hindern.
Die im Tal langführende Autobahn wurde blockiert und der Zugverkehr kam zum erliegen.
Laut Medienberichten wurden über 120 Bullen verletzt ( darunter zählen wahrscheinlich auch blaue Flecke und verknackse Sprunggelenke weil die Cops über ihre eigenen Füße gefallen sind).
Innenminister Matteo Piantedosi äußerte am Folgetag „ jemanden in uniform zu attackieren heißt den Staat zu attackieren“ – was für ein Schlaubi Schlumpf der Matteo ist, darum passiert das ja …
Am 26.07.2026 kam Premierministerin Meloni persönlich vorbei um sich den angerichteten Schaden anzuschauen.
Das ganze untere Tal wurde am Montag den 27.07 mit Cops abgeriegelt.
An allen Zugangsstraßen vom Festival, an den Straßen Richtung Frankreich und Turin waren viele Straßenkontrollen. In Turins Bahnhof wurden eine Vielzahl von Menschen, die dem Festival zugehörig erschienen und mit dem Zug aus dem Tal kamen, kontrolliert.
Über tausende Festivalbesucher:innen wurde durchsucht und es wurde explizit nach schwarzen Sachen und anderen Utensilien Ausschau gehalten.
Laut Medienberichten wurden 4 Menschen an dem Tag inhaftiert ( 2 davon am Folgetag aus Italien ausgewiesen) und über 450 Menschen, die an den den Ausschreitungen teilgenommen haben sollen, wurden angeblich identifiziert.
Es ist mit einer großen Repressionswelle zu rechnen. Alleine die mediale Berichterstattungen und Äußerungen der Politiker:innen läßt davon ausgehen. Es wird über die Aufrüstung der Polizei geredet, von anfänglich Gewalttätigen hin zu einer Rhetorik der Terrorist:innen etc.
Nichtsdestotrotz war das Ereignis für viel ein sehr bestärkender Moment, trotz der Gesamtscheisse, die in Italien passiert, finden sich immer wieder Momente des Zusammenkommens um Aktionen durchzuführen, statt.
Was können wir hier daraus lernen? Was fehlt eine radikalen Linken sich nicht von den Repressionen, die auch hier seit Jahren ( spätestens mit G20 und aktuell dem Antifa-Ost und Budapest Komplex und massenhaften Verfahren im Rahmen vom Tag-X Kessel u.v.m.) stattfinden, lähmen zu lassen und sich wiederzufinden?
Was bereitet uns Angst auf einer Demo den Menschen hinter uns zu vertrauen und auf eine Bullenkette zuzurennen? Wo sind die starken Demos, die uns zeigen, dass wir kein Bock mehr haben, wo wir uns nicht nur freuen, dass ein bisschen Pyro brennt oder Sitzblockade, als Zeichen des zivilen Ungehorsams, gefeiert werden?
Lasst uns lernen über Ängste zu sprechen, Vertrauen zu stärken um wieder radikalere gemeinsame Politik zu machen.
Burn all borders – Siamo tuttx antifascistx
¹ Val di Susa – Das Tal von Turin bis zur französischen Grenze reichend ist nicht nur bekannt für den seit Jahrzehnten bestehenden Kampf gegen die Hochgeschwindigkeitsstrecke, sondern auch als Grenzregime wo pro Jahr hunderte Menschen auf der Flucht versuchen nach Frankreich zu gelangen und in den letzten Jahren mind. 12 Menschen ihr Leben dort verloren haben.
²
Der grenzüberschreitende Abschnitt der Eisenbahnstrecke Lyon–Turin,
deren Ausbau die Firma TELT (französische Firma, die 50% vom französischen Staat und 50% vom italienischen Staat finanziert wird) leitet, bildet das Herzstück der Infrastruktur. Sie verbindet das Susatal (Italien) mit St-Jean-de-Maurienne (Frankreich). Der Hauptabschnitt ist der Moncenisio-Basistunnel, bestehend aus zwei parallelen Röhren mit einer Länge von 57,5 Kilometern. Nach
den von TELT aktualisierten offiziellen Daten waren bis Mai 2026 48,5 Kilometer des Tunnels fertiggestellt.
In Chiomonte laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Eingang des Maddalena-2-Tunnels; von wo aus der südliche Teil des Basistunnels ausgehoben werden sollen. In San Didero wird die Errichtung des neuen Lkw-Terminals als Verladestation, ausgebaut. Im Januar 2026 wurden fast 95 % des Terminals fertiggestellt.
Sachen zum weiterlesen, ansonsten gibt es im Internet diverse Berichte/Videos:
https://kontrapolis.info/18462/
www.notav.info
