Anschlag auf CSD in Berlin

Am späten Abend des 25.07. fuhr ein Kleinbus in eine Menschenmenge, die sich um den CSD in Berlin versammelte. Eine Person starb, mindestens 16 wurden verletzt. Aufgrund des Autokennzeichens wurde schnell ein 21-jähriger Täter ausgemacht, der floh und gegen den unmittelbar eine Öffentlichkeitsfahnung eingeleitet wurde. [Mittlerweile wurde er offenbar von der Polizei in einer Kleingartenanlage erschossen.] Die Tat ist schrecklich und soll die queere Gemeinschaft massiv einschüchtern. Leider war es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer solchen Grausamkeit kam, betrachtet man die weit verbreitete Stigmatisierung von queeren Menschen und den Hass gegen die liberale Gesellschaft, in der sie toleriert werden.

Hinter der Beileidsbekundungen der offiziellen Politik und ihrer Kommentatoren, zeichnet sich in CDU-Kreisen direkt ab, die geplanten Verschäfungen von „Sicherheitsgesetzen“ sofort nach der Sommerpause durchzuwinken. Der Terror gegen die Bevölkerung wird genutzt, um den autoritären Staatsumbau voranzutreiben. Dazu bietet sich auch das Profil des mutmaßlichen, bekannten Täters an: Er soll einer islamistischen Szene angehören. Die Ursache für dieses tödliche Verbrechen ist aber kein angeblich „importierter“ Extremismus.
Die Ursachen liegen in toxischer Männlichkeit und dem Hass gegen die Emanzipation und Selbstbestimmung von Menschen. Diese werden befeuert durch die skandalösen Umstände, unter denen Geflüchtete hierzulande eingepfercht werden, was sie auf ihrer Flucht erleiden und durch die Situationen in ihren Herkunftsländern, die häufig durch Krieg, Armut und Autokratien zerrüttet sind.

Die islamistische Ideologie und ihre Träger sind Feinde aller emanzipatorischen Bestrebungen. In muslimisch geprägten Kreisen bilden sie dennoch lange keine Mehrheit und gibt es zahlreiche Menschen, die sich gegen Menschenverachtung in ihrem Umfeld einsetzen. Es handelt sich nicht um ein „Gesamtproblem“, das man „nicht integrierten“ Ausländer*innen zuschieben könnte. Dementsprechend lässt es sich auch nicht dadurch „lösen“, diese allesamt zu deportieren, wie es die Rechten aller Coleur fordern, um von ihren eigenen Machenschaften abzulenken.

Darüber hinaus ist es auch nicht der Staat, der queere Menschen schützt oder gar queere Lebensweisen fördern würde. Der Staat schützt seine Bürger*innen, weil sie seine ureigenstes Ressourcen darstellen. Wenn sich z.B. verschiedenen Minderheitsgruppen organisieren, Rechte, Freiheiten, Sichtbarkeit und Anerkennung, einfordern, dann geschieht dies nicht, weil der Staat dies forciert oder unterstützt. Sondern aus ihrer eigenen Bestrebung und Kraft heraus, der sich institutionalisierte Autoritäten gegebenenfalls beugen müssen.

Deswegen gilt es für queere Menschen und ihre Verbündeten, zusammen zu stehen; sich nicht gegeneinander oder gegen andere aufbringen zu lassen; sich in ihrer Angst, Wut und Betroffenheit nicht zum Spielball von Kräften zu machen, die ihrerseits das heteronormative Patriarchat als Herrschaftsverhältnis stützen und erneuern.

In Gedenken an die Opfer, ihre Angehörigen und alle Traumatisierten des Attentats.