Solidarität gegen gewalttätige “Besetzung” – Gewalt gegen Linke darf nicht folgenlos bleiben
Als unterzeichnende Gruppen erklären wir unsere Solidarität mit den Menschen, die am 4.7.2026 im La Casa/AJZ Kita in Berlin-Hellersdorf angegriffen wurden. Wir stehen klar und solidarisch gegen die gewalttätige Besetzung linker Räume, die allein dem Zweck diente, die eigene Machtposition durchzusetzen. Diese Eskalation in Zeiten steigender Neonaziübergriffe und einer immer weiter nach rechts driftenden Gesellschaft ist fatal.
Als antifaschistische Gruppen appellieren wir an die progressiven Kräfte der Berliner Linken, sich gegen den Angriff zu stellen und die Beteiligten sowie ihre Unterstützer*innen konsequent auszuschließen.
Am 4.7.2026 drangen rund 15 Personen maskiert und bewaffnet in das AJZ Kita/La Casa in Hellersdorf ein. Wie sie später in einer Erklärung schrieben, wollten sie einen Teil des linken Zentrums besetzen, um ein Zeichen “gegen Antisemitismus” zu setzen. Sie versuchten in diesem Zusammenhang zudem, eine dort wohnende Person gewaltvoll aus ihrem Zuhause zu schmeißen. Dabei prügelten die Angreifenden unvermittelt auf Personen ein, die sich dem in den Weg stellen wollten und besprühten sie mit Pfefferspray. Hierbei kam es zu Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Nach diesem Gewaltexzess verbarrikadierten sich die selbsternannten “Besetzer*innen” in einigen Räumlichkeiten. Menschen, die vermitteln wollten und Verletzte versorgten, wurden abgefilmt und aggressiv bedroht.
Nur hatten die “Besetzenden” nicht mit der Vielzahl solidarischer Menschen gerechnet, die kamen, um die gewaltvolle Besetzung zu beenden. Doch anstatt die Barrikaden aufzugeben, blieben die Besetzer*innen über Stunden im Haus, verwüsteten Räume und verschanzten sich auf dem Dach. Wir erlebten, wie sie wahllos aus den Fenstern Personen mit Pfefferspray angriffen und vom Dach bewarfen, während ihre innenstädtischen Unterstützer versuchten, das Gelände gewaltsam zu stürmen. Sie scheuten nicht davor zurück, Informationen an die Bullen weiterzugeben; in der Hoffnung, dass diese solidarische Menschen festnehmen.
Die im Haus wohnenden und solidarischen Menschen kommunizierten den Angreifer*innen, dass sie den Ort zu jedem Zeitpunkt verlassen können, ohne Gewalt befürchten zu müssen. Ihr Wunsch war einzig und allein, dass die Situation endet. Im Nachhinein verbreite die “Besetzer*innen” Horrorgeschichten von vermeintlichen Angriffen und posteten unverpixelte Videos von Menschen, die versuchten, die Besetzung zu beenden oder sich mit Masken vor dem Abfilmen zu schützen. Diese Videos kursieren mittlerweile auf zahlreichen Faschokanälen und in anti-linken Presseveröffentlichungen. So versuchen sie nun den größtenteils passiven Widerstand gegen ihre Aggression als Angriff umzudeuten. Doch deuten wir das als ein strategisches Manöver, um mit zahllosen Opfergeschichten in den sozialen Medien von der eigenen Verantwortung abzulenken. Sie waren es, die als Gruppe vornehmlich weißer, deutscher Männer in ein linkes diverses Projekt eindrangen und dabei queere junge Menschen verprügelten.
Dieser Angriff wurde offensichtlich langfristig geplant. Innerhalb weniger Augenblicke gab es eine Erklärung und eine Blog-Seite und einen instagram-Account unter “reclaim_la_casa” zu der Aktion. Zudem erfolgte der Angriff bewusst an einen Tag, an dem viele Aktivist*innen in Erfurt gegen die AfD demonstrierten. Diese Terminwahl zeigt auch, wo die Prioritäten der “Besetzer*innen” liegen, die einen Machtkampf um ein Hausprojekt über antifaschistischen Aktivismus gegen die AfD priorisieren. Stattdessen sind sie höchstens durch wiederholte misogyne Ausfälle oder bei der Bedrohung von jungen Bewohner*innen aus dem AJZ Kita aufgefallen. Sie zerstören durch ihre Aktion wichtige politische Strukturen gegen Rechts im Bezirk. Faschos bundesweit reiben sich bereits jetzt die Hände über diesen Konflikt, der von der angreifenden Gruppe öffentlich ins Netz gestellt wurde.
Auch der Kampf der Besetzer*innen “gegen Antisemitismus” ist nur vorgeschoben. Es soll vor allem eine eigene Definition von Antisemitismus durchgedrückt werden und dabei Menschen mundtot gemacht werden, die Mitgefühl und Solidarität mit palästinensischen Menschen ausdrücken.
Dementsprechend durchsichtig sind auch die weiteren Gründe zur Rechtfertigung der Besetzung. Belege sind Fehlanzeige. Es werden Behauptungen aufgestellt, Tatsachen verdreht und es wird mit Begriffen um sich geworfen, um Menschen in eine Schublade zu stecken. Es wird viel über vermeintliches Fehlverhalten von anderen geklagt und die eigene Praxis einfach unter den Tisch fallen gelassen. In den vergangenen Monaten wurden u.a. Sticker mit der Aufschrift “Fuck Islam” im AJZ KiTa angebracht und Kritiker*innen mit Gewalt bedroht.
Veranstaltungen lokaler antifaschistischer Gruppen wurden von ihnen boykottiert und sabotiert.
Zuletzt ließen sich Personen aus dem Umfeld der Angreifer*innen im Zuge einer geplanten Mobilisierungs-Aktion in den Vereinsvorstand wählen. Die Vorstandsstruktur, die zuvor nicht die alleinige Autorität über Dinge beansprucht hat, die kollektiv entschieden werden, wurde ab dann instrumentalisiert, um Einzüge von ihnen unliebsamen Personen zu blockieren und basisdemokratische Strukturen durch Autorität zu ersetzen.
Wir wollen betonen, dass es die selbsternannten Besetzer*innen waren, die sich entschieden haben, diese Auseinandersetzungen mit Gewalt zu klären. Diese Form der Konfliktaustragung in unseren Häusern müssen wir als Linke konsequent ablehnen.
Viele haben seit Jahren auf einen Diskurs mit eben diesen Personen gesetzt. Leider lehnten sie Gespräche kategorisch ab. Wir als antifaschistische Ostberliner Gruppen und solidarische Gruppen aus der Innenstadt stellen uns gegen diesen gewalttätigen Angriff, die Kooperation mit den Bullen und die unhaltbaren Anschuldingen, alle Kritiker*innen seien “Antisemiten”.
Wir wünschen den Verletzten eine schnelle Genesung und allen Betroffenen viel Kraft für die kommenden Tage. Wir solidarisieren uns mit dem „New Casa” und rufen alle solidarischen Menschen und Gruppen dazu auf in den nächsten Wochen vor Ort vorbeizukommen, sich im Haus einzubringen, den Schaden, den die Schläger*innen in den Räumen verursachten, gemeinsam zu reparieren und mit den Menschen vor Ort gemeinsam aktiv zu werden.
Die an dem Angriff beteiligten Personen sind an unseren Orten und auf unseren Veranstaltungen nicht mehr willkommen.
Ostberliner Antifa bleibt solidarisch – International! Wir stehen zusammen!
In Solidarität mit dem „New Casa”
ERSTUNTERZEICHNER*INNEN:
- Berlin vs. Amazon
- Feministische Antifaschistische Jugend Organisation Charlottenburg [F_AJOC]
- Hände weg vom Wedding
- Internationalistischer Abend
- Jugend Antifa Platte [JAP]
- La Rage [LR]
- Lichtenberger Jugendantifa [LiJa]
- M6 Antifa
- North East Antifascists [NEA]
- Offenes Antifa Treffen Berlin
- Offenes Antifa Treffen Hohenschönhausen [OAT HSH]
- Offenes Rotes Treffen [ORT]
- Queeraccoustic Hangout
- Rigaer 94
