Lautstarker Protest gegen Wohnraumvernichtung und Räumung von Menschen
Ca. 60 Menschen protestierten am Freitagabend (23.10.) gegenüber der Gürtelstraße
39-41 gegen Vernichtung von Wohnraum und Verdrängung von Menschen. Dort hatten sie die aktuelle Wohnraumvernichtung direkt vor Augen. In der Gürtelstraße 41, einem ehemaligen Hostel, haben bis Ende September Menschen gewohnt. Seitdem steht das Haus leer und die Fenster wie die sanitären Einrichtungen wurden zerstört. Auch das Haus Gürtelstraße 39
ist eingerüstet. Eine Gruppe der ehemaligen Bewohner*innen erklärte, dass sie durch eine kalte Räumung ihre Wohnungen verloren haben. Offiziell hätten die Bewohner*innen erst nach einer Klage geräumt werden können. Doch nach einer von dem Sicherheitsdienst provozierten Auseinandersetzung mit den Bewohner*innen mussten sie das Haus verlassen und konnten nicht mehr zurückkehren. Erst Tage später konnten sie einige persönliche Gegenstände aus dem Haus holen. Zwei Wochen lebten die geräumten Bewohner*innen des Hugo-Hauses, wie sie das Gebäude nannten, in einem Zeltlager gegenüber dem Haus. Das wurde von den Behörden ab Mitte Oktober nicht mehr verlängert und die Bewohner*innen so ein weiteres Mal vertrieben und zerstreut. So sollte die Vertreibung unsichtbar gemacht werden. Auf der Kundgebung konnten die Bewohner*innen ihre Forderung „Die Häuser denen, die sie brauchen“ skandierten.
Doch die Wohnraumvernichtung geht nicht nur in der Gürtelstraße weiter. Daniel, einer der Mieter in der Habersaathstraße 40-48, berichtete über den jahrelangen Kampf der Bewohner*innen gegen die drohende Verdrängung. Erst wurden die Gebäude des ehemaligen Wohnheims für Krankenschwestern der Charité unter der Ägide des Finanzsenators Sarrazin privatisiert. Seit Jahren versucht ein Wohnkonzern das Haus abzureißen, weil es sich
dann besser verwerten lässt. Er scheitert bisher am Widerstand von Mieter*innen, die nicht einsehen wollen, warum die bereits energetisch sanierten Häuser verschwinden sollen. Sie haben bisher sämtliche Klagen gewonnen und müssen doch weiter um ihre Wohnungen bangen, wie Daniel berichtete. Die Häuser in der Habersaathstraße wurden auch zu einem Symbol für den Kampf um Wohnraum, nachdem ehemals wohnungslose Menschen
dort eingezogen sind. Derweil schafft der Eigentümer Fakten, indem er ebenfalls Mitte Oktober Menschen aus den Häusern räumen und damit auf die Straße werfen ließ. Weitere Redebeiträge kamen von Bewohner*innen der Rigaer Straße 94, dem Bündnis Zwangsräumung verhindern, Nicole und Steffen vom Wohnungslosenparlament, die seit Jahren die Mahnwachengegen Obdachlosigkeit vor dem Roten Rathaus wesentlich organisieren.Auch Vertreter*innen der Union für Obdachlosenrechte (UFO) betonten, wie wichtig die Selbstorganisation der Betroffenen Menschen ist. Sie machen es vor, in dem sie für ihre Rechte kämpfen. „Wir sollten weniger auf sogenannte progressive Mehrheiten im Senat warten, sondern in der Tradition der Berliner Mietrebell*innen den Kampf für unsere Rechte selber in die Hand nehmen“, sagte ein Vertreter der Gruppe „Wir bleiben alle Friedrichshain“, die die Kundgebung organisierte. Sie war klein, aber ihre Stärke lag darin, dass dort Menschen sprachen, die selber von Wohnungslosigkeit und Vertreibung betroffen sind und für ihre Rechte kämpfen: Die Bewohner*innen vom Hugohaus in der Gürtelstraße, die Bewohner*innen der Rigaer Straße 94, die Mieter*innen der
Habersaathstraße 40 – 48, das Bündnis Zwangsräumung verhindern, die
Union für Obdachlosenrechte, Nicole und Steffen vom Wohnungslosenparlament, ihre Stimmen sind uns wichtig.
Eine Aufforderung an die Medien: Hört ihre Stimmen und wartet nicht
immer darauf, dass irgendwelche Parlamentarier*innen über Wohnungslose
sprechen.
Zum Schluss noch was zu einem leidigen Thema: Wie andere linke
Veranstaltung wurde auch unsere Kundgebung von gleich 3 rechten Streamern beobachtet und gestört. Einer der Streamer stelle gegen eine Mitorganisatorin der Kundgebung anzeigte, weil sie ihn fragte, ob er vielleicht aus dem rechtsextremem Streamermilieu kommt. Später konnte er sogar aus dem eigentlich geräumten Hugo-Haus filmen. Er habe die
Genehmigung des Sicherheitsdienstes gehabt. Hie zeigt sich einmal mehr,
wer auf der Seite des Eigentümerblocks steht und wer auf Seiten der von
Räumung Betroffenen.
passiert am 23.10.2026
