Wird es am 17. Oktober stattfinden?
Spontane Kommentare zur aktuellen Schülerrevolte
1.
Die Schülerrevolte ist die Speerspitze der für den 17. Oktober angekündigten Bewegung.
2.
Die „Gruppen“ von Schülern aus Arbeitervierteln bilden die eigentliche treibende Kraft innerhalb und gegen die aktuelle Jugendbewegung. In gewisser Weise ist diese Kraft weniger Teil der Schülerbewegung als vielmehr die Fortsetzung der Revolte für Nahel. Sie hat weder Forderungen noch Vertreter, sie findet sich nicht in den Codes der Linken wieder und lehnt bürgerliche Höflichkeit ab. Sie will ihre Rache.
3.
Die Universitäten sind den Oberschulen gefolgt und haben sich der Dynamik der Blockaden angeschlossen. Sie könnten ihrerseits einen qualitativen Sprung bewirken, indem sie beispielsweise eine Besetzungsaktion starten, die von anderen Bereichen der Gesellschaft – ob Schüler oder nicht – aufgegriffen und weiterverbreitet werden könnte. Diese Hypothese wird jedoch durch die erdrückende Dominanz der studentischen Gewerkschaftsorganisationen vereitelt, die der Spontaneität der Gruppen, dem kollektiven Erfindungsreichtum und der auto-subversiven Praxis wenig Raum lassen.
4.
Wenn man von „Blockaden“ an den Oberschulen spricht, befindet man sich bereits in einer Form der Reduktion und Vereinfachung der Praktiken der Schülerrevolte. Es gibt Sabotageakte (angezündete Türen, umgestürzte Tore, „E-Blockaden“ gegen Fernunterricht) und Racheakte (gegen die Hierarchie in der Schule und die Polizei draußen), städtische Guerillataktiken (Barrikaden) und wilde Streiks (Arbeitsniederlegungen in den Pausen und zeitversetzte Blockaden), und schließlich etwas in der Art eines Spiels, das darauf abzielt, die Macht lächerlich zu machen (Slogans über Macron und seine Lehrerin, Superhelden-Verkleidungen im Gegensatz zu den Uniformen der Unterdrücker).
5.
Die Gewerkschaften können sich mit der Idee des 17. Oktober nicht anfreunden, da sie sie zu sehr an die Gelbwesten erinnert. Sie müssen vorgeben, sich der Bewegung anzuschließen, um besser die Kontrolle darüber zu erlangen – sowohl durch das Verhandlungsmonopol als auch durch die Entscheidung über den Zeitplan. Wenn l’intersyndicale zum 6. Oktober gemeinsam mit den Schülern aufgerufen hat, dann nur, um den Aufruf zum 17. Oktober besser zu entschärfen, den sie auf einen Zwischentermin vor ihrer Mobilisierung am 5. November reduzieren möchte.
6.
An den Oberschulen unterscheidet sich die Linke von den anderen politischen Kräften in der Form, nicht aber im Inhalt. In der Form drängt die Linke die Schüler in eine Opferrolle, wodurch sie sich als die „verantwortungsbewussten Erwachsenen“ präsentieren kann. Man denke an die Menschenketten aus Eltern und Lehrern oder auch an gewählte Vertreter, die den Einsatz von LBD-Waffen durch die Polizei anprangern. Dabei fällt auf, dass Schlagstöcke, Schutzschilde, Helme und andere übliche Bestandteile des Arsenals der Demokratie weitaus seltener in Frage gestellt werden.
7.
Inhaltlich schließt sich die Linke den anderen politischen Kräften in ihren Bemühungen um eine Befriedung an. Genau das geschieht, wenn sie Forderungen herausstellt, die mit ihrem Programm vereinbar sind, und damit gleichzeitig dazu beiträgt, die „guten“ Schüler (die als legitim erachtete Forderungen haben) von den „schlechten“ Schülern (diesen „Randalierern“ ohne Ideen oder echte politische Motive) zu separieren.
8.
Im Gegensatz zur Linken haben wir weder Fahnen, die wir schwenken könnten, noch ein Tempo, das wir vorgeben müssten, noch Lektionen, die wir erteilen müssten.
9.
Wie soll man mit der Begeisterung für den „17. Oktober“ umgehen und mit der Art und Weise, wie bestimmte Teile der Jugend ihn als Echo der Gelbwesten-Bewegung präsentieren? Auch wenn eine neue Generation seine symbolische Kraft voller Hoffnung zu beschwören scheint, ist es keineswegs sicher, dass das Wiederverwenden des Objekts uns helfen wird, seinen Geist wiederzufinden. Dennoch ist es vielleicht genau das, was von uns erwartet wird: es sich überzustreifen und zu sehen, ob es – wenn auch nur vorübergehend – ein Gefühl der Zugehörigkeit verkörpert, mit dem sich andere identifizieren und dem sie sich anschließen können, ohne es sich dabei anzueignen. Auf die Gefahr hin, lächerlich und anachronistisch zu wirken und es sofort wieder beiseitezulegen.
10.
Die spektakulären Aktionen der Schülerrevolte gehen auf das Konto von Banden, die sich organisieren und sich auf diese Weise zu erkennen geben. Das Tragen von Under-Armour-Outfits täuscht niemanden: Nur in dem Maße, in dem wir zu unseren Emotionen und unseren Bandenreflexen zurückfinden, werden unsere Aktionen Anklang finden und Wirkung zeigen, sowohl in offensiver als auch in taktischer Hinsicht (Verteilung von Masken, Phy-Serum, Anrirep-Flugblättern, Namen von Anwälten, Essen, Ton- und Lichtanlagen). Indem wir so handeln, hoffen wir, die für Begegnung, Diskussion und Verschwörung erkämpfte Zeit aufrechtzuerhalten.
Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 auf den X und Instagram Accounts von Groupe Révolutionnaire Charlatan, ins Deutsche übertragen von Bonustracks.
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