Der preis ist heiß – Call for manifestation on 23.09

[eng. below] Die aktuelle Inflationskrise ist lediglich die letzte in einer langen Reihe derartiger Krisen, welche sich über die gesamte Zeitspanne des kapitalistischen System erstreckt. Krisen sind im Kapitalismus nicht einfach Resultat von Misswirtschaft oder gar eine unglückliche Nebenwirkung von Krieg oder Naturkatastrophen, sondern einem von gnadenloser Profitgier getriebenen System angeboren. Staaten deklarieren derartige Krisen nicht mit dem Zweck diese in Zukunft zu vermeiden, sondern sie wollen sie verwalten um das kapitalistische Ausbeutungsmodell umzustrukturieren und modernisieren. Die Aspekte dieser Krise spiegeln die Facetten anderer gesellschaftlicher Brennpunkte wieder (Gesundheitswesen, Energie, Wohnungen & Mieten).
Es gibt eine Vielfalt an Faktoren die zu der aktuellen Inflationskrise beigetragen haben. Wie jede weitere Krise des kapitalistischen Systems, wird auch diese von menschlichen Entscheidungen bestimmt. Als Konsequenz der Covid-19 Pandemie und der Reaktionen auf diese begann der Preisanstieg im Frühjahr 2021. Jahrzehnte bewusster Einsparungen und Privatisierungen offenbarten ein abgemagertes Gesundheitssystem, welches durch fehlende Kapazitäten die Pandemie verheerend verschärfte. Die staatliche Verwaltung der Pandemie verursachte die Unterbrechung globaler Lieferketten, führte zu Lieferengpässen und Warenmangel. Putins Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar diesen Jahres strapazierte die globalen Lieferketten weiter, als Ressourcen durch Russland, die Ukraine und NATO abgezweigt und im Krieg verpulvert wurden. Die EU verhängte Sanktionen gegen Russland, mitsamt eines Einfuhrverbot russischen Erdöl. Darauf antwortete Russland mit dem effektiven Ende der Erdgas Zufuhr in die EU. Diese Entscheidungen führten zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise, was wiederum steigende Produktionskosten nach sich trägt. Verstärkt wurden diese Prozesse durch Wucher und Spekulation an den Kapitalmärkten. Die Kosten dieser Machtspiele und Profitgier spüren wir als Umlagen in explodierenden Grundpreisen unserer lebensnotwendigen Bedarfsgüter.
Krisen sind extrem intensive und gewaltsame Perioden gesellschaftlicher Konflikte und inner-kapitalistischen Wettkampfes. Heute, wie wir in Mitten der jüngsten kapitalistischen Krise stehen, zeigt sich wie Krisen und ihre begleitenden Ausnahmezustände und Widersprüche immer langwieriger, zu einer neuen Normalität werden, einem Dauerzustand. Dies begünstigt Kapitalist*innen, die entwertete Anlagen und Güter der Konkurrenz anhäufen können, oder Staatsregierungen, die mit der Krise die Ausbreitung und Erneuerung der Apparate sozialer Kontrolle und Überwachung rechtfertigen. Wir tragen das Leid während dieser Krisen. Wir sind es derer Leben und Freiheiten weiter eingeschränkt werden, und denen es abverlangt wird zu sparen um die Profite der Kapitalisten und ihrer Verwalter zu garantieren.
Diesen Status Quo akzeptieren wir nicht. Weder, dass wir den Verfall unserer Lebensqualität ertragen und der Entwicklung dieser Krise tatenlos zusehen sollen. Wir sind in der offenen Versammlung “Der Preis ist heiss” in der Erkenntnis zusammengekommen, dass diese Wirtschaftskrise, wie die ihr vorhergegangenen, aus der kalten Profitlogik des Kapital resultiert, mit der unsere Grundbedürfnisse regelmäßig in hoch profitable Geschäfte verwandelt werden. Inflation ist nur ein weiterer Prozess mit dem die Mehrheit für die Taten der Reichen aufkommt. Wir sind nicht nur gegen die Preissteigerung, wir sind gegen alle Preise, gegen das kapitalistische System und jegliche Unterdrücker die uns ausbeuten und beherrschen wollen.
Unsere offene Versammlung ist eine Abstimmung von Individuen und organisierter Gruppen die in öffentlicher Ankündigung zusammengefunden haben und die durch die Lebensunterhaltkosten-Krise aufgezeigten Probleme von einem anti-autoritären Standpunkt adressieren wollen. Offene Versammlungen sind ein wichtiges Mittel in Krisenzeiten. Sie ermöglichen Menschen schnell zusammen zu kommen, Ideen zu teilen und sich selbst den Ansprüchen des Moment entsprechend zu organisieren. Sie verhindern auch, dass unsere Kämpfe von isolierten Gruppen ausgetragen werden.
Die Ziele unserer Versammlung ergeben sich aus horizontalen und kollektiven Absichten. Wir wollen einen zugänglichen, offenen Ort der Zusammenkunft erschaffen, in dem sich Menschen organisieren und lokale Aktionen koordinieren können.
Wir wollen uns ohne die Einflussnahme von politischen Parteien oder Institutionen des Staat organisieren, da diese den Raum unseres Diskurses und unseres politischen Handelns eingrenzen und kontrollieren können.
Wir organisieren uns in Opposition zum rechten Spektrum, allerdings wollen wir unsere eigene Analyse entwickeln, anstatt mehr Aufmerksamkeit auf die Ideen unserer Feinde zu lenken.
Wir sind anti-militaristisch, da wir in jedem Krieg die Dynamiken skrupellosen Wettbewerbs und brutaler Ausbeutung jeder kapitalistischen Krise widergespiegelt sehen.
Wir wollen bereits existierende selbst-organisierte solidarische Strukturen und Netwerke in unserer Stadt stärken und uns mit den Kämpfen in weiteren Städten und anderen Territorien des Konflikts vernetzen.
Durch eine Organisationsform die unsere individuellen Perspektiven, Verlangen, und eigenmächtige Taten berücksichtigt, liefern wir solidarische Antworten und einen Gegenangriff auf die Herrschaftsverhältnisse welche die Grundlage von Inflation und den Krisen des kapitalistischen System bilden.

23.09 Kotti : 18:00 Kundgebung, 19:00 Demo
Öffentliche Versammlung: 25.09, 14:00 im NewYorck Bethanien

[eng]

This inflationary crisis is just the latest in a long sequence of crises that span the entire history of the capitalist system. Capitalist crises are not simply the result of mismanagement or an unfortunate side effect of war or natural disasters, they are inherent to a system that is driven by relentless profit-seeking. States do not declare these crises because they are trying to avoid them, but because they seek to manage them in order to restructure and modernise the capitalist model of exploitation. Aspects of this capitalist crisis mirror the facets of other emergencies facing society (health, energy, housing etc.).
There are many factors that contribute to the current inflationary crisis. It is driven by human decisions, like every other crisis of the capitalist system. Inflation started climbing early in 2021 as a consequence of the COVID-19 pandemic and responses to it. The pandemic was exacerbated by decades of decisions to defund and privatize public healthcare, resulting in a bare-bones healthcare system whose capacity was quickly exceeded. The state management of the pandemic caused shortages of material goods by disrupting global supply chains. In February of this year, Putin started a war of aggression against Ukraine, which placed further strain on global supply chains as resources were redirected by Russia, Ukraine and NATO towards the war and destroyed in military conflict. The EU imposed sanctions on Russia, which included a ban on Russian oil. Russia retaliated against the sanctions by cutting the flow of gas to the EU. These decisions caused an increase in energy prices, which in turn drove up costs of production. All of this was amplified by speculation and price gouging. The costs of these power games and profit-seeking behavior are being passed down to us as staggering increases in the prices of food and other necessities.
Crises are extremely intense and violent periods of class and social war and intra-capitalist competition. Today, as we stand in the midst of the current capitalist crisis, it is becoming apparent that crises and the states of emergency and intense antagonisms that accompany them are becoming more protracted, to the point that they are becoming our normality, a permanent state. This is beneficial for capitalists, who are able to accumulate the devalued assets of their competitors, or state governments, for whom the crises serve as justification for the expansion of social control and implementation of new forms of control. We are the ones who suffer during these crises. It is us whose lives are controlled and restricted, who are expected to make sacrifices and become even poorer to ensure profits for capitalist bosses and their henchmen.
We do not accept that this is just the way things are, and that we have to endure deterioration in our quality of life as we watch the crisis unfold. We came together to form the open assembly „Der Preis ist heiss“ because we see that this economic crisis, like the others that preceded it, is driven by the cold logic of capital that turns our needs into highly profitable business. Inflation is nothing but yet another process in which the poor have to pay for the actions of the rich. We are not only against inflated prices, we are against all prices, we are against the capitalist system and all oppressors who seek to exploit and control us!
Our open assembly is a coordination of individuals and organised groups that meet through public calls and who want to approach the problems visibilised by the cost of living crisis from an anti-authoritarian perspective. Open assemblies are an important tool during times of crisis. They enable people to come together quickly to share ideas and to self-organise based on what is needed at the moment. They prevent our struggles from being limited to isolated groups.
The goals of our assembly were decided through horizontal collective deliberation. We want to create an accessible, open space of encounter where people can organise and coordinate local actions.
We want to organise without the involvement of political parties or state institutions because they seek to limit the space of our discourse and political action so that it remains within a frame that can be controlled.
We organise in opposition to the right, but we want to do so by developing our own analyses rather than drawing more attention to the ideas of our enemies.
We are anti-militaristic because we see in every war the dynamics of ruthless competition and brutal exploitation that play out in every capitalist crisis.
We want to reinforce existing self-organised solidarity networks in our city, and to develop a communication network that connects struggles in different cities and other fighting territories.
By coordinating in a way that respects our individual perspectives, desires, and autonomy of action, we want to organise solidary responses and to counterattack the relations of domination that underlie inflation and the crisis of the capitalist system.

23.09 Kotti : 18:00 Manifestation, 19:00 Demo
Next Open assembly: 25.09, 14:00 at NewYorck Bethanien