Reichenberger Straßenfest

Aufruf zum Reichenberger Kiezfest am 24.9.22

14-22 Uhr

Letztes Jahr haben wir uns dagegen entschieden ein Reichenberger Kiezfest zu organisieren. In unserem Aufruf zu einer Kundgebung stand „Es gibt keinen Grund zu feiern“. Jetzt führen wir eine ähnliche Diskussion wie letztes Jahr und fragen uns, was ist dieses Jahr anders? Sehr vieles ist dieses Jahr anders, aber wenn man sich umguckt, ist fragwürdig, ob es jetzt Gründe gibt zu feiern. Schließlich ist die Meuterei immer noch geräumt, es ist immer noch Corona und wir wissen nicht, wie es in ein paar Monaten aussieht, es ist noch mehr Krieg auf der Welt, steigende Lebenshaltungskosten, und und und…

Schlussendlich kommen wir zu einem wichtigen Grund, warum wir doch feiern sollten. Und dieser Grund sind Wir. Wir alle, die sich zusammen gegen Räumungen organisieren. Wir alle, die versuchen einen solidarischen Weg durch die Pandemie zu finden und gegen Vereinzelung kämpfen. Wir, die schon immer gegen die Kriege von irgendwelchen machtgeilen Arschlöchern waren. Wir, deren Ziel das gute Leben für alle ist und den Kapitalismus schon lange als Wurzel des Übels anprangern.

Wir wollen wieder ein Reichenberger Straßenfest machen, um zu zeigen, dass wir uns trotz der widrigen Umstände hier nicht vertreiben lassen. Die Meuterei war viele Jahre logistischer und geistiger Dreh- und Angelpunkt des Festes. Der Verlust dessen macht uns sehr zu schaffen und stellt uns vor einige neue Herausforderungen. Mit den Menschen, die sich dort tagtäglich aufgehalten haben und mit denen wir jetzt umständlicher in Kontakt treten müssen. Aber auch das ist ein Grund, warum wir wieder einen Moment schaffen wollen, an dem wir euch treffen können. Und nur, weil Nenadic uns hat räumen lassen, räumen wir nicht das Feld und erklären uns nicht als geschlagen.

Schöne Kieze und Feste werten Gegenden auf und Immobiliengeier nutzen das, um mehr Geld zu machen und gewinnbringender zu vermieten oder zu verkaufen. Im Fall der Reiche 58 ist genau das passiert. Unser Fest wurde von Nenadic benutzt, um für die schöne Lage und das nette Kiezleben zu werben. Wir haben lange darüber diskutiert, ob das ein Grund ist, das Fest nicht mehr zu machen. Und ja, das ist es irgendwie schon. Aber es gibt halt auch viele gute und noch bessere Gründe, das Fest jetzt erst recht zu machen. Wir denken das Fest ist eine der besten Gelegenheiten, um sich gegen diese Aufwertung und Vermarktung unserer Stadt und unserer Kieze zu organisieren.

Seit vielen Jahren ist der Slogan des Festes „Gegen Aufwertung und Verdrängung“ und deshalb sind mit Absicht Gruppen und Initiativen eingeladen auf der Bühne zu sprechen oder Stände zu haben, die genau das tun, nämlich gegen die Stadt der Reichen zu kämpfen. Es ist eine gute Gelegenheit, dass diese Gruppen sich vorstellen können und ganz einfach erreichbar sind für Menschen, die vielleicht deren Unterstützung brauchen.
Außerdem lieben wir unser chaotisches DIY Fest. Ein Fest, das nicht aussieht wie aus dem Katalog. Denn so vielfältig wie die Stände dann aussehen, so ist auch unser Kiez. Es ist uns wichtig, dass das Fest die repräsentiert, die es auch besuchen. Deswegen sind wir immer noch strikt gegen das Auftreten von Parteien und Vereinnahmen durch kommerzielle Stände. Konsumorientierte Feste gibt es leider schon genug.

Das Fest soll ein Ort sein, an dem wir uns kennenlernen und vernetzen können. Wir wollen solidarisch umverteilen und gleichzeitig alle einen schönen Tag genießen können. Linke Subkultur und Organisierung hat eine riesige Bandbreite und passiert viel ungesehen, wenn man nicht explizit danach sucht. Das Fest soll den Initiativen die Möglichkeit bieten, öffentlich aufzutreten und sich präsentieren zu können. Aber nicht nur den Initiativen, sondern auch der Kultur und Kunst, die es im Kiez gibt und die sonst vielleicht keine Bühne hat. Nicht zuletzt soll das Fest aber auch ein Dankeschön sein für alle, die uns unterstützt haben in der Zeit vor und während der Räumung der Meute. Öffentliche Solidaritätsbekundungen und auch die Kleinigkeiten, die wir in dieser Zeit von vielen Seiten erleben durften, haben uns sehr viel Kraft gegeben. Wie schon erwähnt schmerzt uns er Verlust der Räume der Meute sehr und lässt uns vieles, auch das Fest in Frage stellen. Aber gerade spornt es uns eigentlich dazu an, das Fest noch offensichtlich politischer und antagonistischer gegen diese Zustände werden zu lassen. Deutlicher zu zeigen, dass wir für das gute Leben für uns kämpfen und in offener Feindschaft zu dieser Verwertungslogik und Ausbeutung unserer Leben stehen.

Genau dafür sehen wir uns hoffentlich auf der Straße! Am 24.9.22 auf der Reichenberger Straße auf dem Abschnitt zwischen Ohlauer und Lausitzer von 14-22Uhr.

Wenn ihr Interesse daran habt euch zu beteiligen meldet euch gern auf der Email reichenbergerkiezfest@riseup.net . Wir brauchen auch immer helfende Hände!

Lang lebe die Meuterei!
Hoch die Interkiezionale Solidarität!

Die Straßenfest Orga 22

passiert am 24.9.22