Marcel K. – Das war Mord

Dies ist die Geschichte von Marcel K.

Marcel K. war ein Mensch. Er hatte Freunde, Bekannte, Orte die er mochte sowie Menschen und Orte die er lieber meidete. Marcel mochte Musik, gutes Essen und vor allem seine Freunde, mit denen er die Tage und Nächte auf der rauen Straße in Schöneweide verbrachte. Was Marcel vergönnt blieb war ein Zuhause. Ein warmes Bett in sicheren Räumlichkeiten und eine Küche, in der man all die Leckereien kochen konnte, die er so mochte.

Die Obdachlosenunterkünfte mochte er nicht. Dort wurde er, wie er berichtete, nachts von kleinen Tieren gebissen, verständlich dass er dort nicht bleiben mochte. Also suchten er und seine Freunde sich ihre Schlafplätze dort wo sie sich, sowohl vor kleinen Tieren als auch vor Menschen, sicher wähnten.

Gesundheitlich ging es Marcel auch nicht gut. Er hatte eine starke Gehbehinderung, mit der er sich nur auf Krücken überhaupt auf den Beinen halten konnte, offene Wunden an den Beinen, die Bisse von den berichteten Tieren und er war ein starker Alkoholiker.

Eines Nachts, am 20.04.22, legten sich Marcel und seine zwei Freunde schlafen. Wie immer an einem Ort den sie für sicher hielten, diesmal sollte es der Hinterhof der Brückenstraße 1. in Schöneweide sein.

Mitten in der Nacht, so berichten es die Freunde, plötzlich Aufruhr. Die Polizei war, alamiert von Anwohner*innen in den Hinterhof gekommen, schrie die drei schlafenden Freunde an und forderte sie auf den Hof zu verlassen. Die beiden Freunde folgten dieser Aufforderung, Marcel aber konnte, seiner Behinderung geschuldet, nicht aufstehen. Er hätte Hilfe oder zumindest seine Zeit gebraucht.

Die anwesenden Polizist*innen gingen zum Angriff über, zogen an Marcels schmerzhaft verletztem Bein, woraufhin er fürchterlich schrie. Die Polizei wertete dieses Verhalten als Angriff, setzte Pfefferspray gegen ihn ein und traktierte ihn mit Schlägen und Tritten. Marcel verlor das Bewusstsein.

Leblos am Boden liegend und nicht mehr schreiend musste Marcel nun reanimiert werden und ein Krankenwagen wurde gerufen. Von hier an verlor sich jede Spur von Marcel.

Irgendwann im Mai, bei einem der üblichen Termine bei der Gruppentherapie, erfuhr einer der beiden Freunde Marcels regelrecht beiläufig dass sein Freund und langjähriger Gefährte, Marcel, am 27.04.22, im Krankenhaus, an den ihm zugefügten Wunden verstorben war. Fortan würden sie nurnoch zu zweit durch die Gegend ziehen.

Der Angriff selbst hatte für Aufruhr gesorgt. Aktivist*innen machten darauf aufmerksam und brachten den Fall an die Öffentlichkeit, ohne dabei zu wissen dass Marcel längst verstorben war. Die Polizei hingegen wusste dies schon und tat alles daran zu verhindern, dass dieser Fall an die Öffentlichkeit gelangte. So wurden die Aktivist*innen sichtbar beschattet, direkt eingeschüchtert, mit der Dienstwaffe bedroht als sie Infomaterial verteilten und mehrfach wurde Infomaterial beschlagnahmt. Es gab keine Pressemeldung, nichts.

Erst als herauskam dass Marcel tot ist und dies sofort von den Aktivist*innen thematisiert wurde sah sich die Polizei zu einer Pressemeldung gezwungen und die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen „Körperverletzung mit Todesfolge im Amt“ gegen zwei der Anwesenden Polizist*innen ein.

An dieser Stelle endet die Geschichte vorerst. Wie sie ausgeht wird sich zeigen, allerdings lässt sich der Ausgang maßgeblich beeinflussen. Mit genug Druck von unten kann der Fall umfanglich aufgeklärt werden, mit weniger öffentlichem Druck werden Marcels Mörder*innen wohl eher davon kommen. Es ist also an uns wie diese Geschichte ausgeht.

Kommt deshalb bitte alle zur Demo. Lasst uns zeigen, dass wir nicht wegsehen wenn der Staat Menschen ermordet um für uns (die privilegierteren Menschen mit Wohnsitz oder Unterkunft) „das Stadtbild sauber zu halten“.

Wann: 02.07.22 // 18.00 Uhr
Wo: S-Schöneweide/Brückenstr. 1

Niemand ist vergessen!
Aus Trauer wird Wut!

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passiert am 02.07.22