Protestkundgebung gegen Wohnraumzerstörung und Vertreibung in der Gürtelstraße 39-41

Mehrere Jahre standen die beiden ehemaligen Hotels in der Gürtelstraße 39-41 leer. In den letzten Jahren sind dort Menschen eingezogen, die auf den überteuerten Berliner Wohnungsmarkt keine Chance gehabt hätten. Sie nannten das von ihnen besetzte Gebäude Hugo-Haus. Ende September wurden die Bewohner*innen mit einem großen Polizeiaufgebot auf die Straße gesetzt. Aber sie verschwanden nicht einfach. Direkt gegenüber dem
geräumten Haus errichteten sie ein Zeltdorf. So konnten sie zusammenbleiben und sich gegenseitig beim Leben auf der Straße unterstützen. Gleichzeitig konnten alle sehen, wie in der Gürtelstraße 39-41 Wohnraum vernichtet wird. Fenster und sanitäre Anlagen wurden herausgerissen, Mauern zerstört.Das Hugo-Dorf, wie die Bewohner*innen ihre Zeltstadt nannten, war ein im Straßenbild sichtbares Zeichen. In Berlin wird weiter Wohnraum vernichtet, werden weiter Menschen auf die Straße geworfen. Am 14. Oktober musste auch diese Zeltstadt verschwinden. Eine weitere Genehmigung hatten die zuständigen Ämter verweigert. So wurden die Bewohner*innen zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen vertrieben und zerstreut. Wir sehen es auch als große Schwäche, dass es nicht gelungen ist, mehr Druck von unten aufzubauen, damit die Bewohner*innen nicht vertrieben werden. Jahrelang wurde darüber diskutiert, ob es nicht an der Zeit wäre, wieder Häuser zu besetzen. Wo blieb dann die Unterstützung für die Besetzer*innen in der Gürtelstraße? Diese Frage stellen wir auch selbstkritisch an uns. Blicken auch wir schon zu viel auf angeblich „progressive“ Senatsmehrheiten, die Berlin bezahlbar machen wollen?
Haben wir dabei vergessen, dass es ohne Widerstand von unten keine Verbesserung in unserem Sinne geben wird? Wir verstehen unsere Kundgebung gegen Wohnraumzerstörung und Vertreibung von Menschen auch als einen kleinen Beitrag, diesen Widerstand wieder sichtbar zumachen. Nicht nur in der Gürtelstraße wurden zu Beginn der kalten Jahreszeit Menschen auf die Straße gesetzt. Auch in Habersaathstraße 40-48 wurden am 13. Oktober Menschen mit einem großen Polizeiaufgebot geräumt und aufdie Straße gesetzt. Dort hatten vor 5 Jahren wohnungslose Menschen mit Unterstützer*innengruppen leerstehende Wohnungen besetzt. Sie konnten sogemeinsam mit einigen Altmieter*innen verhindern, dass der
Eigentümer die gut erhaltenden Gebäude abreißt, um Luxuswohnungen zu errichten. Genau das droht auch in der Gürtelstraße Überall werden Menschen vertrieben für das Privatinteresse von Wohnkonzernen.
Wir sind wütend, dass zu Beginn der kalten Jahreszeit erneut Wohnraum vernichtet wird und Menschen auf die Straße geworfen werden. Wir hoffen, wir sind nicht die Einzigen, die dagegen protestieren. Kommt am zur Kundgebung in die Gürtelstraße 39-41!

Protestkundgebung-gegen-Wohnraumzerstoerung-1.jpg