Keine Isolationshaft für Andreas Krebs!
Andreas Krebs hat seinen Hungerstreik gegen seine Verlegung in die Isolationshaft (Absonderung) bereits am 12.2. nach 18 Tagen beendet.
Aber was ist passiert und warum machte er eigentlich einen Hungerstreik?
Andreas Krebs thematisiert seit seiner Inhaftierung in der JVA Tegel die korrupten Zustände der Anstalt. Das Gefängnis wird mit Drogen und Handys überflutet, woran sich Wärter*innen und einige wenige Gefangene dumm und dämlich verdienen. Natürlich ist es an sich super, wenn Gefangene illegale Handys besitzen, doch es ist ein erheblicher Unterschied, ob diese auf eigenen Wegen ins Gefängnis gebracht werden oder alles über die Wärter*innen läuft. Der selbstorganisierte Weg kann subversiv sein — der Weg der Korruption macht die Wärter*innen zu den neuen Geschäftspartner*innen und inoffiziellen Chefs der Anstalt, da diese nun gemeinsame Sache und Business mit den geschäftstüchtigen Inhaftierten machen. Diese Geschäftsstrukturen haben sich in der JVA Tegel verfestigt und die Anstalt hat vor der Drogenschwemme kapituliert. Die Folge ist, dass die Geschäftsstruktur aus Wärter*innen und Gefangenen sehr viel Macht hat, sich diese gegenseitig decken, falsche Gerüchte und Anschuldigungen streuen und sich eine informelles Narco-System etabliert, dass extrem gewinnbringend ist. Andererseits sind in Tegel nicht nur einfach Drogen (wie in jedem anderen Knast auch) präsent, sondern es gibt ein Überangebot an allen möglichen Substanzen: Inhaftierte konsumieren offen vor den Bediensteten, torkeln durch die Gänge und betäuben sich Tag für Tag. Suchtkranke Inhaftierte verschulden sich Monat für Monat bei den dealenden Gefangenen und geben diesen ihr ganzes Einkaufsgeld, um ihren Konsum zu finanzieren. Die dealenden Gefangenen machen kräftig Gewinn mit Drogen und Handys und die Wärter*innen umso mehr (bis zu 500 Euro pro Handy Gewinn und das bei hunderten Handys in der Anstalt).
Andreas kämpft seit Anbeginn seiner Inhaftierung gegen diese Zustände: er nennt die Namen der korrupten Beamten, er spricht über die Zustände, er stellt sich gegen die Korruption und somit Kooperation mit den Wärter*innen. Wer das jedoch tut, hat mächtige Gegner, denn das Geschäft mit Drogen und Handys bedeutet viel Geld. Also holten die Tegler Narcostrukturen (geschäftstüchtige Gefangene in Zusammenarbeit mit korrupten Wärtern) zum Racheschlag aus: Bei einer Zellenrazzia wurde ein Aktenordner in Andreas Zelle gefunden – dieser Aktenordner soll der größte Drogenfund in der Geschichte der JVA Tegel sein, denn an den karierten Blättern des Ordners soll die Droge Spice anhaften (Cannabinoid). Dieser Ordner wurde Andreas von Gefangenen untergejubelt, die mit den Wärter*innen unter einer Decke stecken und Geschägte machen. Der Vorwurf gegen Andreas, dass dieser ein Dealer im Knast sei, ist absurd, da er von Anbeginn seiner Inhaftierung in Tegel die Drogenschwemme in der JVA kritisiert, öffentlich macht und die korrupten Strukturen ankreidet. Sagen wir, wie es ist: die Drogen und Handys kommen über die Wärter*innen, sie sind in solchen Massen vorhanden, dass es offensichtlich ist, dass man sie nicht in Besuchsräumen oder beim über die Mauer werfen schmuggeln könnte – das weiß jede*r in Tegel und das wird auch offen von skeptischen Angestellten der JVA zugegeben. Und jede*r, der Andreas Geschichte kennt und verfolgt, weiß, dass er Wärter*innen oder die Anstalt nicht bestechen oder mit ihnen Geschäfte machen würde, da er mit dem Staat nicht kooperiert. Das Unterschmuggeln der Drogen ist eine orchestrierte Aktion der Geld scheffelnden para-staatlichen Narcostrukturen in der JVA Tegel! (Und an der rechtmäßigen Verlegung von Andreas in die Isohaft haben sogar die Wärter in eben dieser Station ihre Zweifel!)
Die Folgen…
die Folgen für Andreas sind fatal. Als Folge wurde er in die „Absonderung“ (Isolationshaft) der JVA Tegel verlegt. Somit bedeutet dieser Drogenfund, dass seine Aussicht auf 2/3 futsch ist, er keine Ausgänge mehr bewilligt bekommt und er sein Fernstudium nicht fortführen kann. Seine Haftsituation hat sich massiv verschlechtert! In der Absonderung hat er in seiner Zelle lediglich ein Radio – es gibt keinen Fernseher, keine Freizeitaktivitäten und keine guten Bücher. Vor dem Zellenfenster von Andreas befindet sich NATO-Stacheldraht und der Besuch ist nun kürzer und findet mit Trennscheibe statt. Er darf nur noch für 6 Euro pro Monat telefonieren (viel zu wenig). Er kriegt Briefe und Postkarten nur noch in Kopie… und währenddessen sind die meisten Mitgefangenen extrem zugedrogt und kaum ansprechbar. (Auch die Absonderung ist mit Drogen überschwemmt.) Die Zustände in der Isohaft in der JVA Tegel wurden in der Vergangenheit nicht zu unrecht als „Folterknast“ beschrieben.
Diese Entwicklungen sind ein extremer Rückschlag für unseren Freund und Gefährten Andreas! Seine Aussicht auf Haftentlassung ist in weiter Ferne und seinen Alltag verbringt er ferner nur noch mit Radiohören, da es nichts anderes zu tun gibt.
Zeigen wir mit Öffentlichkeitsarbeit und Solidarität, dass wir die Isolationshaft von Andreas nicht tolerieren!
Schreibt an Andi:
Andreas Krebs
Seidelstr. 39
13507 Berlin
Zur Person Andreas Krebs:
Für Menschen, die Andreas nicht kennen: Andreas ist ein Sozialrebell, der viele, viele Jahre in bayrischen italienischen und nun Berliner Knästen inhaftiert war und ist. Er hat sich immer als Teil der revolutionären Bewegung identifiziert und sich zu sozialen Kämpfen geäußert. Zuletzt thematisierte er viel die ungenügende medizinische Versorgung von Gefangenen unter welcher er besonders wegen eines Tumors litt. Seine unerbitterliche und solidarische Haltung im Knast führt immer wieder dazu, dass er Repressalien und Isolation erfährt – gegen welche er immer wieder mit Texten, Hungerstreiks und gemeinsamen Protestaktionen aufmerksam macht.Während seiner Inhaftierung in Landshut in Bayern hat er beispielsweise einen gemeinsamen Hungerstreik von sozialen und politischen Gefangenen in Solidarität mit den hungerstreikenden Gefangenen gegen das neue Isolationshaftregime in Griechenland organisiert, an welchem sich viele Inhaftierte beteiligt haben. Er schreibt immer wieder Redebeiträge für Demos, solidarisiert sich mit anderen Gefangenen wie Daniela oder Nanuk und schreibt Texte für das Gefangenen Info. Außerdem hat er ein Buch verfasst: Der Taifun. Erinnerungen eines Rebellen. (immergrün Verlag)
passiert am 21.02.2026
