Eine Karawane der Solidarität nach Rojava

Am 23.01. brach von Berlin eine von den Organisationen der kurdischen Bewegung organisierte Karawane nach Kobane auf. Wir haben uns über Vorankommen, Ereignisse und auch Inhalten erkundigt.

Derzeit halten sich etwa hundert Menschen im Rahmen eines Zwischenstopps in der Nordgriechischen Stadt Thessaloniki auf, demonstrieren und planen ihre Weiterreise über die Grenze in die Türkei. Die Karawane hatte sich vorher in Wien vergrößert, nachdem außer jener aus Berlin auch noch eine andere aus Lyon über Mailand und eine weitere aus Köln über Zürich eingetroffen waren. Von dort ging es gemeinsam über Serbien und Nordmazedonien durch den Balkan, wo es bei der Einreise neben einigen intensiveren Durchsuchungen keine größeren Probleme gab.

An mehreren Stationen gab es Pressekonferenzen auf öffentlichen Plätzen, die von Medienaktivist*innen für Berichterstattung haupsächlich in den „sozialen“ Medien genutzt wurden. Die Stimmung unter den Teilnehmer*innen der Karawane wird als durchweg kämpferisch und ernst beschrieben. Die Situation vor allem in Kobane und die politischen Entwicklungen bezüglich Rojava sind Gegenstand permanenter Erörterungen.

In Thessaloniki angekommen gab es am Dienstag eine Vollversammlung der Teilnehmer*innen, bei der über das weitere Vorgehen gemeinsam und horizontal entschieden wurde. Abgewogen wurden Nachrichten, Einschätzungen von Legalteams in der Türkei und persönliche Entscheidungen, die nach dem sehr eiligen Aufbruch in Europa in den letzten Tagen reifen konnten. Es wird versucht werden, bald den schwierigen Weg nach Kobane fortzusetzen.

In den Zielen der Karawane sind die politisch diversen Teilnehmer*innen vereint. Einem anarchistischen Genossen zu folge, den wir gesprochen haben, geht es darum, das öffentliche Narrativ eines Krieges zu enlarven und klarzustellen, dass das was derzeit in Rojava und auch im iranischen Rojhelat stattfindet, ein Angriff auf die gesamte Region und die Selbstverwaltung der Menschen ist. Die sogenannte syrische Regierung wird demnach von Europa darin unterstützt, ihr Herrschaftsgebiet auszuweiten. Die geschlossenen Förderverträge dieser Regierung mit zwei US-Firmen bewiesen außerdem, so der Teilnehmer, dass sie für die Ressourcenausbeutung durch kapitalistische Mächte garantiert. Neben dieser Aufklärungsarbeit will die Karawane aber auch ganz konkret durchsetzen, dass ein humanitärer Korridor durch die türkische Grenze nach Kobane gewährt wird. Wenn es auch als schwierig erachtet wird, dass die Karawane Kobane erreicht, so soll wenigstens an der türkischen-syrischen Grenze öffentlicher Druck erzeugt werden.

Der internationale öffentliche Druck, die großen Demonstrationen und die ausgesprochene Kampfbereitschaft der revolutionären Organisationen in Rojava, Kobane, Qamishlo, Afrin and Serêkaniyê bis zum Letzten zu verteidigen, erzeugen derweil einen immer deutlicher spürbaren Druck auch auf die Regierungen in Europa, ihre Unterstützung für die Offensive von Truppen der sogenannten Regierung zurückzuziehen und einen echten Waffenstillstand zu bevorzugen. Am öffentlichen Druck zu arbeiten und die Selbstverwaltung und Frauenbefreiung in Rojava zu verteidigen, geht auf viele Weisen und überall, so unser Gesprächspartner aus der Karawane. „Die Erfolge sollten uns noch mehr anspornen, noch mehr Druck auszuüben und die Bevölkerung zu informieren. Und natürlich sollte die anarchistische Bewegung in der BRD ebenso ihre Solidarität mit der revolutionären emanzipatorischen Bewegung in Rojava sichtbar machen. Immerhin ist Deutschland innerhalb von zwei drei Jahren Unterstützer von zwei Genoziden. Oder auch bald drei wenn die Dschihadisten unter Jolani auch erneut Sengal mit seiner jesidischen Bevölkerung angreifen. „